Karteileichen in Fitnessstudios

Leicht verdientes oder rausgeschmissenes Geld!?

Alle zwölf Monate ist Weihnachten und Silvester wieder rum und der 365-Tage-Spaß beginnt von vorne. Doch gerade zu dieser Wende verbleiben die alljährlichen sowie gut gemeinten Vorsätze, irgendetwas im Leben anzugehen, zu ändern oder gar zu verbessern. Ein sehr beliebtes Vorhaben unter den Neujahrsvorsätzen ist das Fitnessstudio, welches vorranging damit einhergeht, dass die Pfunde purzeln sollen, die man sich so mühsam angefuttert hat, oder vereinzelte Problemzonen in Angriff genommen werden sollen. Viele der zuvor so euphorisch klingenden »Neu-Sportler« erleben einen Grund, nicht mehr ins Studio zu können oder verlieren die Lust, da dieser ganze Spaß blöderweise mit disziplinierter Arbeit zu tun hat und anstrengt. Folglich geht man nicht mehr hin und mutiert zur Karteileiche, die man ganz schnell schon nicht mehr kennt.




Ganz ungehemmt könnte man, weil es so einfach ist, die Schuld dem Gefühl geben, welches man so schnell verspürt. Ein Jahr ist geschafft, welche Erleichterung – aber warum? Es geht doch nahtlos weiter! – und wir sehen, fühlen und bemerken einen Punkt, ab dem alles anders, einfach besser laufen kann und auch soll. Die Jahreswende ist als eine Art Resetknopf zu begreifen, jedenfalls sind wir Menschen ganz groß darin, diesen Moment emotional mit einer solchen Funktion auszustatten. Ändern tut sich allerdings recht wenig. Trotzdem geht es dem Menschen sehr gut dabei, sich selber etwas vorzumachen und mittlerweile schon traditio- nell, knien wir uns da so richtig rein. »Ich werde aufhören zu rauchen« oder »Der sieht immer Sommer am Strand immer so gut aus, das will ich jetzt auch endlich mal. Jetzt ist Zeit genug, ich melde mich im Fitnessstudio an«. Gesagt, getan. Man hat plötzlich eine Kunden oder Mitgliedsnummer, eventuell eine Mitgliedskarte, wird als Teil der Sportfamilie aufgenommen, will so viel und kann eigentlich nichts! Der Neue weiß, was er will, z.B. seine Brustmuskulatur zum Glühen bringen. Auch den Rundgang durchs große Studio verkraftet er noch, bevor er endlich loslegen darf. Aber wie? Freihantel oder ans Gerät mit Führungsschiene? Was haben Degeneration, Regeneration und Superkompensation mit meinem Ziel zu tun? Die unaufhaltsame Motivation weicht zunächst dem Interesse und der Vorsicht. Es geht dann doch zu wissenschaftlich zu Gange. Der Trainingsplan ist erstellt und auch mittlerweile das Verständnis dafür da, dass reines Hanteltraining nur für Bauch und Bizeps unvollständig ist. Die Tage und Wochen gehen dahin, der Alltag hat längst wieder die Oberhand gewonnen und auch neue Aufgaben, Interessen und Termine klinken sich ein. Beim besten Willen passiert schon einmal verletzungsbedingt, durch eine Geschäftsreise oder einen privaten Anlass, dass kein Training möglich ist. Der entscheidende Punkt hierbei ist, das Training im Auge zu behalten und daran nach der Dauer der Pause anzuknüpfen. Ein weiterer heikler Punkt sind massive Konditionsdefizite, die es zunehmend erschweren, an sein Ziel zu glauben und den Willen aufrecht zu erhalten. Es ist das Bellen im eigenen Körper, der Schweinehund ist da. Wer jetzt dran bleibt, wird zum Beispiel beim Ausdauersport mit saftigem Blutlecken belohnt! Denn ab dem Moment gibt es kein Halten mehr. Auch, wenn man kurz zuvor alles hinwerfen wollte. Der Sportler der guten Vorsätze jedenfalls ist zu Beginn schnell begeistert und – jetzt kommt‘s – schließt einen Jahresvertrag im Fitnessclub seiner Wahl ab. Beim Abschluss einer Mitgliedschaft über ein ganzes Jahr winken ihm viel günstigere Beitragszahlen entgegen, die ihn ins verführerisch duftende Netz locken. Für den Fitnessclub ist es ein fairer Deal, denn er bietet vergünstigte Konditionen für reine finanzielle Planungssicherheit und aktive Kundenbindung an. Der Sportler bekommt ein finanziell vorerst gutes Angebot, nimmt aber einen kleinen Haken in Kauf, da er sich selber verpflichtet, zu trainieren. Hört er auf, weil er keine Lust mehr verspürt, den Job und andere Aufgaben vorzieht oder vorziehen muss, rutscht er ganz schnell zur Karteileiche ab. Das ist nicht schlimm, denn er kann ja nach wie vor trainieren, wann immer er will oder kann. Kann er aber nicht und bleibt fern, profitiert nur das Fitness Studio, da dies prinzipiell so Millionen von Mitglieder bedienen könnte, ohne den Trainingsraum für alle zur Verfügung stellen zu müssen.




Längst ist es nicht mehr nur ein reines Zeitproblem. Es liegt auch an der jeweiligen Wertschätzung. Fühle ich mich in diesem Fitness Studio gut aufgehoben? Habe ich keinen langen Anfahrtsweg? Passen mir die Öffnungszeiten? Werde ich von geschulten Trainern qualitativ betreut? Ist der Mitgliedsbeitrag angemessen hoch?
Letztere Frage ist ein ganz wesentlicher Punkt der Wertschätzung. Habe ich monatlich höhere Kosten, werde ich mich eher zum Training treten, um etwas von dem vielen Geld zu haben. Beim umgangssprachlichen Discounterfitnesslaufe ich wesentlich schneller Gefahr, dem Training fern zu bleiben, da mir 10 oder 15 Eur nicht wirklich weh tun.

Im Durchschnitt gibt es in den Fitnessstudios im Kreis Paderborn 20-60% Karteileichen (Stand 2011), durch die die Studios sicherlich auch verdienen. Der hohe Anteil ist den günstigen Mitgliedsbeiträgen zuzuordnen. Aber Studios sehen auch viel lieber zufriedene Trainierende, die Arbeit machen, als gähnende Lehre. Also achtet nicht aufs Geld, sondern fokussiert das sportliche Ziel, welches ihr erreichen wollt.
Viel Erfolg beim Versuch im kommenden Jahr.

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