Die Sache mit dem Facebook-Daumen

Vom Flyer zum »Gefällt mir« – Das vernetzte Nachtleben

Der Facebook-Daumen am Beispiel der Stadt Paderborn und wie es vorher ohne lief.
In Zeiten, in denen Paderborner von Events erfahren wollten, mussten diese die Zeitung lesen, in Magazinen blättern oder hier und da mal einen Flyer mitnehmen. Den gleichen Umstand, bzw. Aufwand, hatten auch alle Discotheken, Clubs und Veranstalter des Kreises. Schließlich mussten sie die Einwohner der Stadt in irgendeiner Weise darauf aufmerksam machen, was sie anbieten und dafür sorgen, dass ihr Angebot mit Inhalt wahrgenommen wurde und verstanden wurde. Also hat man damals in Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften inseriert oder Flyer und Plakate gedruckt. All dies gibt es immer noch, was auch wichtig ist. Denn jeder hat auch einfach mal gerne etwas Lesbares in der Hand und möchte es, ganz unabhängig von der Verfügbarkeit von Steckdosen oder Netzteilen, genau da lesen oder darin herum blättern, wo es ihm gerade gefällt. Gerade im Sommer spiegeln Displays und heiße Geräte auf dem Schoß sind schnell nervig.
Dennoch hat sich seit im Februar 2004 etwas auf den Weg gemacht, was die Menschen und deren Informationsflut maßgeblich beeinflusste sowie grundlegend veränderte. Facebook war geboren und noch erkannte in Europa niemand das Suchtpotential sowie die Marketingmöglicheiten, deren Größe und Bedeutung sich ganz von alleine bildete. Zu Beginn konnte der Facebook-User »Fan« einer Seite werden. Dies brachte den Unternehmer, Musiker und Markeninhaber so konzentriert auf den Plan, dass man um »Fans« regelrecht buhlte, sich Aktionen einfallen ließ, um noch mehr Fans generieren zu können. Wer mag denn auch schon nur eine Hand voll, von Kollegen oder der Konkurrenz mit einem abwertenden Schmunzeln abgestraft werden, wenn man doch ganz viele Fans haben kann und noch viel wichtiger: mehr als andere!

Hinter Facebook stecken so unfassbar viele Menschen, überwiegend Entwickler, die am Fortschritt und an der Weiterentwicklung der Milliarden schweren Plattform interessiert sind. Die Entwicklungen wurden gewertet und durchschaut, also handelte Facebook rasend schnell. Aus dem »Fan werden« entstand »Gefällt mir«. Eine sprachliche Entschärfung des Begriffes, aber ein deutliches Kurshalten hinsichtlich des Inhalts. Schnell bemerkten die User, dass sich so viel einfacher »Gefällt mir Fans« gewinnen ließen. Die Hemmschwelle ist niedriger und die Bereitschaft höher, einem Produkt, Event oder einer Statusmeldung durch den Klick auf »Gefällt mir« seine Sympathie auszudrücken, als sich als »Fan« zu outen und als Anhänger, Verehrer oder Gefolge da zu stehen. Da ein Fan in vielen Köpfen auch gleich ein Groupie ist, hat Fan sein auch immer ein wenig Negatives an sich. Dennoch ist man gerade bei Bands oder DJs gerne Fan und steht dazu. Mittlerweile ist es alltägliche Routine nach dem Entdecken etwas Lustiges oder Interessantes mal eben diesen magischen Button zu klicken.
Auch in der Paderstadt hat man sich diesem angenommen und klickt, was das Zeug hält.
101.420 Facebook-User im Kreis Paderborn erwecken natürlich auch beim Gastronomen um die Ecke das Interesse, diese potentiellen Gefällt-mir-Klicks für sich zu gewinnen. Es ist die Marktschreierei in digitaler Form. Wie damals, noch vor dem Internet, mit Printprodukten der Markt umworben wurde, so sieht es online nicht anders aus.



Einen ganz gravierenden Unterschied gibt es aber doch. Der umworbene und potentielle Kunde, Gast und Fan wird aktiv mit einbezogen, denn er darf kommentieren, posten und seine Meinung durch das Klicken des Gefällt-mir-Buttons (liken) oder Nichtklicken äußern.
Auch für den Innenstadtclub der Stadt Paderborn Residenz ist Facebook zum nahezu perfekten Macht- und Marketinginstrument geworden. Zugleich bietet Facebook dem Resi aber auch die Möglichkeit, seinen Gästen in der tanzfreien Zeit zwischen Sonntagmorgen bis Freitagabend treu zu bleiben und mit ihnen im Austausch zu bleiben, was garantiert Sympathiepunkte einbringt.
Ungeschlagenen 4.579 Facebook-Usern gefällt das umgebaute Innenstadtkino am Marienplatz. Paderborner und ortsfremde Gastclubber liken hier aber nicht nur die Seite, sondern auch jeden einzelnen Beitrag und geben durch den »nehme teil« Klick dem prognostizierenden Eventerfolg ihre Gewichtung.

Im am besten dokumentiertesten Jahrzehnt freut sich jeder Gastronom über technik-affine Gäste, die heutzutage mit dem Smartphone oder der kleinen Digitalkamera den Abend nach ihrem persönlichen Empfinden festhalten und posten. Likes und Kommentare zu den einzelnen Beiträgen stellen für den Paderborner Veranstalter einen Teil der Marktforschung da, da sie Trends und Geschmäcker widerspiegeln.

Gelegentlich schließt ein Club oder eine Discothek und was bleibt, sind wage Erinnerungen und ein leidvolles Schluchzen nach den guten alten Zeiten, in denen einfach alles irgendwie anders war. Hier tümmelt sich ein Mix aus Veranstaltern und sehr engagierten Fans der alten Zeit. So findet ein reger Austausch auf der Fanseite der ehemaligen Discothek »Playa« statt, die am Grüner Weg 12 ihre Türen öffnete, nach der Discothek »Karussell« kam und vom »MG« (Music Galerie‘s) abgelöst wurde.
Auch hier ist Facebook ein wunderbares Phänomen. Denn es bringt diejenigen wieder vereint auf den Plan, die, sei es durch das Alter, Familienplanung oder beruflicher Einbindung, nicht mehr so oft ins Nachtleben stürzen, aber dennoch der Musik von damals hinterher schmachten. Ganz populär ist es hier, wie regelmäßig hier Fans von damals die alten Hits posten, die sie bei YouTube und Vimeo eifrig gesucht haben. Und wenn dann ein Kommentar, wie der von Frank P. »Richtig guter Gedanke, hier die alten Sachen rein zu stellen!!!! Genial« erscheint, werden instinktiv und ganz automatisch die Musikexperten und Musikliebhaber, die damals Musik gelebt haben, aktiviert und zum Mitposten animiert.
Hier entpuppen sich wahre Musikkenner, die mit einem Respekt und einer Liebe über die alten Songs schreiben, als ginge es um die Ehre der gesamten Musikindustrie. Das Paderborner Playa gab es von 1985 – 1991 und erlebt online seit Monaten ein stark wachsendes Revival.




Faszinierend ist, dass auch immer mehr Bars, Cafés und Restaurants in diesem Bereich aufholen und den Paderborner um seine digitale Meinung bitten. Der Kontakt zum Chef ist dadurch sehr einfach geworden und die Meinungen, Lobe und Kritiken nachhaltig berücksichtigt. Und letzteres ist auch sehr wichtig, da die Unternehmer auch viele Informationen aus all dem ziehen. Aus all den Reaktionen auf der Facebookseite werden hilfreiche Informationen über das Verhalten des Kunden gesammelt.

Fakten
Die Aktivität von Nutzern ist Abends gegen 23.00 Uhr am höchsten. Sowohl was Kommentare, als auch »Gefällt mir« Klicks betrifft. Der aktivste Tag bei den Fratzebuch-Nutzern ist der Sonntag. Innerhalb der Woche ist die Nutzung und Aktivität relativ gleichmäßig. Interessant ist die Untersuchung zur Geschlechterverteilung. »Social Bench« spricht von »Beeinflussern«. Hier haben männliche Nutzer klar die Nase vorne. Das heißt, sie kommentieren häufiger, klicken öfter »Gefällt mir« und veröffentlichen mehr Beiträge auf Facebook Seiten. als die Damen.
So haben Studien und Untersuchungen heraus gefunden, dass ein »Gefällt mir« Klick, also ein Fan, einen Wert von $ 1,58 ausmacht!!!
Weiter kam heraus, dass jeder einzelne »Gefällt mir« Klick für ca. 20 Klicks auf der Unternehmenshomepage sorgt. Dies bezieht sich auf ein Jahr. Hat ein Paderborner Gastronom 5.000 Fans, sorgen diese über das Jahr verteilt für 100.000 Klicks auf seiner Homepage. Faszinierend, oder?
Wenn dann jetzt jeder Fan einen Wert von $ 1,58 hat, kann man sich den Nutzen ganz einfach errechnen.
Diese sollte Anreiz genug sein, die Paderborner Wirtschaft anzukurbeln. Also klickt für das, was ihr an und in Paderborn mögt. Dafür ist es da!

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